Donnerstag, 1. Dezember 2016

Geliebtes - Auf ins zwölfte Kapitel

Vor zwei Monaten fing mein "Projekt Psychologie-Studium in Landau in der Pfalz" an - schon verrückt, denn es fühlt sich an als wäre ich schon ewig hier. Am Anfang hatte ich die ein oder anderen Probleme wie z.B. die Frage wie ich Anschluss finde oder wie ich es schaffe mit dem Geld umzugehen. Aber mit jedem Tag habe ich mich ein bisschen mehr in mein Leben hier 600km von Zuhause verliebt und möchte jetzt bevor es zu Weihnachten zu meiner Familie geht ein kleines Resümee ziehen mit Dingen, die ich hier lieb gewonnen habe.

Machen können, was ich will
Wenn man kommen und gehen kann wann man will und wenn man machen kann was und wann man will, dann fühlt man sich auf einmal ziemlich erwachsen. Niemanden stört es, wenn man seine Lieblingsmusik zu laut hört, lange nicht abgewaschen oder gefegt hat, der Müll noch im Flur steht oder den ganzen Tag vor sich hingammelt. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch alleine klar kommen, also wenn das heiße Wasser nicht geht, das Fahrrad kaputt ist oder man kein Essen mehr im Haus hat, bringt es nichts Mama anzurufen... aber irgendwie ist das auch herrlich, weil man für sich verantwortlich ist und so leben kann, wie man will. 

                       Meine Kommilitonen 
Neue Freunde zu finden ist nicht mein Ding. Und ich brauche ewig, um Menschen, die ich mag, als Freunde zu bezeichnen. Deswegen bleibe ich auch bisher bei der neutralen Bezeichnung der Kommilitonen, denn so richtig kennen wie ich meine Freunde aus Hamburg kenne, tue ich sie nicht. Aber das ist ja auch vollkommen normal, die Hauptsache ist, dass man sich gut versteht, zusammen lachen kann und was unternimmt. Zum Beispiel auf Studentenpartys gehen, zusammen die Veranstaltungen überstehen, Sport machen. Am letzten Wochenende waren wir auf dem Weihnachtsmarkt, und um ehrlich zu sein unternehme ich hier mehr, als ich es je zuhause getan habe. Vielleicht weil die Alternative lernen wäre und sowas für die Prokrastination perfekt ist...

Psychologie

Klar wird man schnell als Psycho abgestempelt, wenn man sein Studienfach benennt, aber in Wahrheit weiß eigentlich niemand, was sich hinter dem Psychologiestudium verbirgt. Nämlich eine empirische Wissenschaft, die einen Großteil zur Verbesserung des gesellschaftlichen Lebens beiträgt. Naja, das ganze ist schon sehr anspruchsvoll, voller dicker Wälzer sowie unklaren Begriffen, die man nicht mal aussprechen kann, und Konstukte, die einem wohl nie klar werden. Ein absoluter Fulltime Job. Aber zwischen durch erfährt man etwas so interessantes, dass einem die Augen aufleuchten, weil man endlich versteht, warum man das überhaupt macht - und für diese Momente bleibe ich wohl bei Psychologie. 

Eine frohe Adventszeit euch,

Maybritt 

Dienstag, 29. November 2016

Geschriebenes - Heimweh

Ich war nie eine Person, die gerne lange von Zuhause weg war.
Das fing schon damit an, dass ich übernachten bei Freundinnen als ich ganz klein war, total schrecklich fand. Die Vorstellung nicht in meinem Bett zu schlafen und nicht morgens mit meiner Familie zu frühstücken konnte ich lange nicht über mich ergehen lassen und es war nur okay für mich, wenn ich bei einer Freundin war, die gefühlte zwei Straßen von mir entfernt wohnte. Das nächste war dann meine erste Klassenfahrt, wo ich jeden Abend Alibi-Schlaftabletten in From von Traubenzucker bekommen habe, damit mein Heimweh wegging. Auch heute - so gerne ich auch mal weg und im Urlaub bin - vermisse ich nach ein, zwei Wochen mein Zuhause und freue mich immer riesig, wenn ich dann nach Hause komme.
Eigentlich hätte ich gedacht, dass es hier anders wäre: Wenn man erstmal ganz zugezogen sein würde, würde ich nie mehr Heimweh haben. Diese Vorstellung bezweifle ich seit Sonntag sehr stark, denn seit dem 1. Advent bekomme ich besonders Abends, wenn ich ruhig und alleine zuhause bin starkes Heimweh und zähle minütlich die Tage, wenn ich wieder in den Norden fahre - und irgendwie gefällt mir das so gar nicht. Vielleicht liegt es daran, dass es meine erste Weihnachtszeit alleine ist und ich sie sonst immer aufgrund der Zeit mit meinen Liebsten so toll fand, oder daran, dass mein Bruder heute wieder nach Hause kommt und alle endlich mal wieder zusammen sein könnten - außer ich halt. Oder vielleicht auch daran dass hier den ganzen Tag lang Halli Galli ist und ich abends Zeit zum Nachdenken und Vermissen habe. Heimweh ist kein schönes Gefühl, denn dann wirkt es so, als würde ich es hier nicht wertschätzen. Ich mag mein Leben hier wirklich, die Uni, die Leute, die Wohnung, meine Freizeitaktivitäten und alles andere. Aber "Zuhause" ist es noch nicht, denn nach zwei Monaten kann einfach noch kein Neues entstehen, egal wie sehr man sich es wünscht.
Auch wenn ich beim Zählen der Tage ab und zu in Verzweiflung gerate, sage ich mir auch immer wieder, dass ich einfach das beste aus den Tagen holen sollte. Jeden Tag einfach angehen und mir vor Augen führen, dass er eine tolle Chance ist, um ein guter Tag zu sein: Egal ob in Sachen Universität, Sport, abnehmen oder sonst was. Schließlich bin ich auch nur drei Wochen zuhause und dann erstmal wieder hier - trotzdem vermisse ich meine Familie und Freunde. Aber es wird auf jeden Fall weniger schlimm, denn mit jedem Tag, den ich mir vornehme, gestalte ich mir mein zweites Zuhause. 
Und das braucht eben seine Zeit.

Einen erfrierenden Dienstag,
Maybritt 


Montag, 31. Oktober 2016

Geliebtes - Ein goldener Herbst geht zu Ende

Ach ja, wenn an so einem Sonntagmittag die Sonne in der Pfalz scheint, der Himmel blau wie Schlumpfeis ist und man alle seine To-Do-Punkte erledigt hat, dann weiß man, dass man es echt gut hat. Der Oktober geht langsam zu Ende und ich denke, dass heute der letzte richtig schöne normal warme Tag war.
Ich will ja nicht hysterisch werden, aber in nicht mal mehr zwei Monaten ist Weihnachten. Das heißt wiederum, dass mein erster Monat in der Pfalz zu Ende geht. Also ist es Zeit sich mal wieder klar zu machen, was man eigentlich so alles hier liebt und wie das so ist sind es dieses Mal weniger Gegenstände also Dinge, die ich im Oktober zu schätzen gelernt habe.

Die Ginkgo-Bäume vor meinem Fenster


Für diesen Ausblick zahle ich gerne verhältnismäßig viel Miete: Die Gingko-Bäume vor meinem Fenster. Ginkgo-Bäume sind schon seit Ewigkeiten meine liebsten Bäume, wahrscheinlich weil sie einfach außergewöhnlich sind. Und während ich so vor meinem Schreibtisch vor dem Fenster sitze merke ich Woche für Woche wie sich die Blätter verfärben von Grün bis Gelb und jede einzelne Woche sammle ich ein Blatt und stecke es zwischen ein Buch, um irgendwann nächstes Jahr ein Jahreszeiten-Bild aus den gepressten Blättern zu machen. Zurzeit sehen die Bäume übrigens aus wie gelbe Feuerfackeln, denn das ganze Laub ist jetzt gelb und der lange Stamm sieht aus wie ein Holzgriff einer Fackel...

Käsebrötchen mit Gurkenscheiben


Das erste Mal hatte ich ein Gelüst nach Käsebrötchen mit gesalzenen und gepfefferten Gurkenscheiben nach der legendären Einhornparty, durch die ich leider die 10-Uhr-Methoden-Vorlesung verpasst habe. Anstatt auf den Treppen im Vorlesungssaal irgendwas belangloses über die Module des Bachelor of Science anzuhören war ich also um 10 Uhr im Rewe und mein Bäcker - zuhause beim Frühstück ist mir dann aufgefallen, dass diese Kombination Camembert mit Marmelade echt Konkurrenz machen kann. Falls sich jetzt jemand fragt was mit vegan ist: Es liegt derzeit auf Eis. Zwar bin ich immer noch von der Sinnhaftigkeit einer veganen Ernährung überzeugt, aber es funktioniert gerade nicht für mich und mir ist aufgefallen, dass es mir besser geht: Ich habe glaube ich etwas abgenommen (glauben, weil ich nur eine Küchenwaage habe und ich mich ganz bestimmt NICHT darauf stehe) und ich stresse mich und andere nicht mehr.
Aber zurück zum Käsebrötchen mit Gurke: Himmlisch. 

Landauer Psychos

Man kann es glauben oder nicht, aber selbst ich als eine der introvertiertesten Personen on earth hat Kommilitoninnen gefunden, die richtig richtig nett sind! Und herrlich normal für Psychos! Was wir können ist zusammen in öden Vorlesungen und Seminaren sitzen und das ganze halb so schlimm gestalten und trinken (oder auch nicht, denn besagte Einhornparty endete für mich und L. um Mitternacht...). Alle kommen so ungefähr aus Mitteldeutschland und ich freue mich schon total auf die Erstifahrt - auch wenn das ganze sehr alkoholhaltig wird und ich gerade mal wieder auf kaltem Entzug bin.

Dove Haarspülung

Mädels, ich habe sie gefunden - die ultimative Haarspülung für pupstrockenes Haar! Und zwar ist es die Dove Feuchtigkeit Winter Pflege. Sie kostet im DM 99 Cent, ist bräunlich und duftet nach Zimt, Zucker und Spekulatius. Aber was noch viel wichtiger ist, ist die Wirkung, denn sie schafft es, dass meine Haare seidig, gepflegt, glatt und weich wie flüssiges Gold sind. Der Hacken an der Sache ist nur, dass es sie nur im Winter gibt, das heißt Vorrat, Vorrat und nochmal Vorrat! Denn leider ist ihr normaler Vorfahr, den ich sonst immer hatte, zwar auch solide, aber nicht so bombe...



Auf in den Kampf um den vorweihnachtlichen Spekulatius,
Maybritt

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Geschriebenes - 4 Dinge, die an in Uni anders sind als in der Schule

Hey! Ich lebe noch, zwar etwas gestresst, aber ich lebe, denn letzte Woche hat die Uni angefangen und ich lerne gerade, wie man hier überlebt. Aber schon jetzt sind mir ein paar Sachen aufgefallen, die komplett anders sind als in der Schule. Da ich ja erst dieses Jahr mein Abitur geschrieben habe, sind die Erinnerungen daran natürlich noch präsent und für die, auf die in den nächsten Jahren genau das gleiche zukommt, habe ich die gravierendsten Unterschiede mal gegenübergestellt.


1.) Niemanden juckt es, ob man zu Vorlesungen kommt

Das erste was unsere Professoren zu uns in den Vorlesungen gesagt haben war ungefähr folgendes: 

"Ich bewundere ihre Motivation. Wirklich. Psychologisch gesehen ist diese natürlich verständlich, da sie entweder die letzte Zeit in Australien oder vor Netflix verbracht haben. Aber ich will sie trotzdem nicht jede Woche zwei Mal hier bei mir sitzen sehen. Ich habe schließlich noch ein Leben".

Also um genau zu sein war es mein Professor für Entwicklungspsychologie - ein total sympathischer Typ, der auch der Hausmeister sein könnte. Aber mal ehrlich, es ist verboten eine Anwesenheitsliste rum zu reichen in Vorlesungen, also wenn man es mit sich selber vereinbaren kann, bleibt man Montag morgens um acht zu Hause. Was anderes sind natürlich Seminare und Übungen, aber im Studium ist man so ziemlich auf sich selbst gestellt und bekommt keine Striche, wenn man irgendwas nicht macht. Das kann natürlich auf der einen Seite gut sein, wenn man es drauf hat, oder halt total schief geht und man so die Regelstudienzeit verdoppelt.


2.) Nach der Uni ist vor der Uni

Feierabend nach 18 Uhr? Für viele heißt es Vorlesungen nach 18 Uhr (zum Beispiel Dienstags bei dem oben genannten demotivierten Professor) und Dinge vor- und nachbereiten. Wenn man natürlich ein halbes Jahr Pause nach dem Abi hatte, ist das eine ganz schöne Umstellung. Lernen und so. Aber es ist eigentlich ganz schön mal wieder was zu tun zu haben und zur Entspannung habe ich mich total kostenlos für Yoga und Meditation angemeldet. Sowieso ist der Hochschulsport eine super Institution, sodass ich doch Krafttraining machen kann (im Uni-Gm für 10€ im Semester!), Zumba, Fit'n'Dance und und und. Aber davor muss natürlich gearbeitet werden, denn Vollzeit ist Vollzeit, aber noch bin ich motiviert. Außerdem stimmt die allgemeine Annahme, dass wenn es einen interessiert viel angenehmer zu lernen ist!

3.) Unter der Woche feiern? Immer doch


Vielleicht liegt das auch nur an Landaus Partykultur - die sich auf zwei sehr, sehr kleine Clubs beschränkt. Aber ab Mittwoch ist es legitim unter der Woche zu feiern. Und zwar so richtig und nicht so à la Feierabendbier. Hier natürlich am liebsten Wein. Und da man ja nach 1.) für sich selber verantwortlich ist, muss sooooooo spannend ist...
man am nächsten Morgen auch nicht raus - ich schon, weil ich noch im Strebermodus bin und Methoden der Psychologie


4.) Man lernt so viel schneller neue Leute kennen

Ach ja, meine größte Angst war völlig unbegründet, denn zurzeit leide ich unter dem Luxusproblem nicht zu wissen, welche Gruppe zu einem passt - ich hab da mehrere... Aber jeder ist in der gleichen Situation, denn die meisten sind hergezogen und kennen niemanden. Da ist es halt nur ein bisschen schwer sich die ganzen Namen zu merken und herauszufinden, wer auch auf längere Zeit ganz korrekt ist. Aber als zukünftige Bachelorette of Psychology hat man meist ein bisschen Menschenkenntnis und kommt da auch schnell hinter. Also einfach nett lächeln, winken und was sinnvolles sagen.


Ich geh dann mal feiern und wünsche euch einen schönen Mittwochabend,
Maybritt